Quo Vadis Industriedesign

 

Quo Vadis Industriedesign am Beispiel Design von medizintechnischen Produkten.

Blickt man 10-15 Jahre zurück, so fand man auf der Düsseldorfer Medica (weltweit größte Medizintechnikmesse) überwiegend Unternehmen, für die das Wort Produktgestaltung noch nicht standardmäßig zum Entwicklungsprozess gehörte. Dementsprechend heterogen war der Eindruck, wenn man über die Messe ging. Dieser Eindruck hat sich dramatisch verändert. In den Hallen mit den marktführenden Unternehmen gehört Design mittlerweile zu einem wichtigen, wenn nicht gar wesentlichen Differenzierungsfaktor. Es wird eben auch hier immer schwieriger sich ausschließlich über Innovationen, die weiterhin überwiegend der Treiber von Produktentwicklungen sind, zu differenzieren. Darüber hinaus nimmt, wie in anderen Märkten schon seit Jahren etabliert, der Druck aus China zu – wenn noch von dem einen oder anderen belächelt... Als Jurymitglied erhält man bei Designauszeichnungen einen guten Überblick über das branchenspezifische aktuelle Designniveau und hier insbesondere in Fragen der Materialität, Haptik und Verarbeitungsqualität.

In konsumentennahen Märkten (z.B. mobile elektronische Produkte) ist dieses immer noch deutlich weiter entwickelt als in der Medizintechnik, was insbesondere mit den sehr unterschiedlichen Stückzahlen zu tun hat. Wird es sich aber in der Geschwindigkeit weiterentwickeln, wie es dies in den vergangenen Jahren getan hat, ist ein ähnlich hohes Niveau bald erreicht. Wo vor Jahren mit einfachsten Tiefziehhauben Gehäuse produziert wurden, findet man heute spritzgegossene oder stranggegossene Elemente kombiniert mit anderen Materialien. Auch formal wird die Bandbreite größer, wobei damit auch „Styling - Stilblüten“ auftauchen, die es so vor Jahren nicht gab. Trotzdem - und das ist der positive Aspekt - bleibt die Ergonomie und die einfache Handhabung oberste Priorität. Das Erfüllen der Anwenderanforderungen und mögen diese noch so komplex sein, wird auch in der nahen und fernen Zukunft den Ton angeben. Dabei hat sich ein weiterer Aufgabenbereich, der sich direkt aus dem obigen ergibt, hinzuaddiert. Die zunehmende Integration von mitunter sehr komplexer Software in Produkte und in ihr Umfeld zur Einbindung in Praxen- und Krankenhaussoftware. Die Eingaben über Patienten müssen vernetzt werden, um Zeit zu sparen und gleichzeitig Fehler zu vermeiden. Zusätzlich müssen aber die Funktionen des Produktes gesteuert und voreingestellt werden. Da Industriedesign in der Medizintechnik, eine umfassende Aufgabe in der Optimierung der Mensch „Maschine“ Schnittstelle darstellt, gehört die Entwicklung solcher Benutzeroberflächen (GUI) immer selbstverständlicher zu klassischen Designprojekten hinzu. Anwenderergonomie heißt daher öfter nicht nur Geometrien mit der Physis des Anwenders zu harmonisieren, sondern auch Gerätesoftware an die Erwartungen und Gewohnheiten dieser Anwender in Logik und Erscheinung anzupassen und dies national wie global. Nach 10 Jahren hat sich hier die Anforderung an die Designentwicklung von einfachen formalen Anpassungen von Gehäusen zu sehr komplexen Aufgaben weiterentwickelt. Gleichzeitig haben sich aber auch in der Medizintechnik selbst die Anforderungen stark verändert. Um nur ein Beispiel zu nennen, stellen heutige Sterilisationsanforderungen völlig andere Anforderungen an Materialien und nutzbare Verfahrenstechniken und damit auch an das Design.

Diese hohen konzeptionellen Anforderungen und die unzähligen Spezialanwendungen in der Medizintechnik lassen erahnen, daß von Designdienstleistern in diesem Segment eine Spezialisierung erforderlich ist, wenn solche Aufgaben auf hohem Niveau zuverlässig und zeitnah erfüllt werden sollen. Dadurch ist eine Spezialisierung gefordert so wie man sie vom Sport schon immer kennt. Kein heutiger(!) Basketballspieler auf Bundesliganiveau würde von sich behaupten, gleichzeitig ein ebenso guter Fußballer zu sein. Industriedesigner die sich hier spezialisieren sind eindeutig im Vorteil. Nicht zuletzt da dann in einem Büro eine größere Anzahl von Kunden aus einem Segment auch medizintechnikübergreifende Lösungsansätze ermöglichen kann. Das es neuerdings einen spezialisierten Studiengang dazu gibt (Master für Industriedesign – Medizintechnik an der Muthesius Hochschule Kiel) untermauert diesen Trend.


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